Der Roman Superhero handelt von dem vierzehnjährigen Jungen Donald, der unter einer schweren Krebserkrankung leidet, und den Menschen, die um ihn sind: seine Eltern, sein Bruder, ein Psychologe und ein Mädchen. Das klingt nach einer deprimierenden Lektüre. Das ist aber nicht der Fall, und das scheint an den erzählerischen Mitteln zu liegen.Bei einem Roman hat man gewisse Vorstellungen darüber, wie er geschrieben ist; man denkt zum Beispiel an Rückblenden und unterschiedliche Erzähltempi. Dass diese Erwartungen enttäuscht werden, signalisiert schon die Einteilung in drei Akte und einen Anhang mit dem Titel „Outtakes und gestrichene Szenen“. Wie bei einem Theaterstück gibt es in diesem Roman nur die Gegenwart, Gespräche und Regieanweisungen. Letztere sind allerdings teilweise sehr ausführlich und stellen nicht nur dar, was man auf der Bühne sehen könnte, sondern berichten auch, was die Personen fühlen oder denken. Es wird also auch die Form des Dramas nicht eingehalten, ebenso wenig wie die eines Drehbuchs, auf die häufig angespielt wird.
Der kranke Junge spricht nicht darüber, wie er sich fühlt, worunter besonders der hinzugezogene Psychologe anfangs zu leiden hat. Stattdessen denkt sich Donald Comics aus, zeichnet sie und versieht sie mit Sprech- und Denkblasen. Aus diesen Comicentwürfen mit dem Superhero Miracleman kann dann der Psychologe erschließen, was in dem Jungen vorgeht. So fließen drei verschiedene Gattungen – Drama, Film und Comic – ineinander und die erzählerischen Mittel des Romans bleiben ungenutzt.
Erstaunlicherweise ist aus diesem drolligen Stilgemisch ein lesenswertes Buch geworden. Wenn man sich als Leser auf diesen Mix einlässt, kann man das Geschehen durchaus mit Anteilnahme verfolgen. Durch diese ungewöhnlichen Erzähltechniken ist das deprimierende Thema Krebs darstellbar geworden, ohne dass dabei verharmlost wird.
Adèle, die seit dem 14. April auf den französischen Leinwänden ihre extraordinären Abenteuer erlebt, kommt am 30. September auch nach Deutschland.





Der Autor ,1966 in Sofia geboren, lebt nach einer Tätigkeit als Kulturattaché in Großbritannien und Nordirland wieder in Sofia. Er hat für dieses Buch den Elias-Canetti-Preis bekommen.




